
Quelle: www.spiegel.de
Wenn sich in Deutschland etwas schnell verbreitet, dann die Panik-Pandemie. Schlugen sich Bundesbürger 1999 bei der Sonnenfinsternis um die letzten SoFi-Brillen und 10 Jahre später um matte 40-Watt-Glühbrinen, so nimmt die Panik derzeit rund um die Schweinegrippe täglich zu. Noch haben die Kritiker der Impfung gegen die Krankheit die Oberhand, doch die Impfzahlen steigen täglich, obwohl es nicht für jeden in unserem Lande einfach ist, sich gegen H1N1 immunisieren zu lassen.
In Rheinland-Pfalz herrschte bis Anfang der Woche die große Ratlosigkeit. Ärzte verwiesen auf die Ämter, die Ämter fühlten sich nicht zuständig. Seit Montag gibt es nun eine Liste der Impf-Ärzte, die aber nur außerhalb der Sprechzeiten zehn Patienten gemeinsam impfen. Kommen zu dem Termin keine zehn zusammen, fällt die Impfung aus, denn das Serum gibt es nur im Zehnerpack und muss angebrochen nach 24 Stunden entsorgt werden. Auf den Kosten bleibt dann der Arzt sitzen. In Hessen ist das einfacher. In Wiesbaden impft das Gesundheitsamt mit großem, personellen Aufwand. Gleich zu Beginn unterschreiben Impfwillige das Merkblatt rund um Impfung und Nebenwirkungen, dann wird im Nachbarraum die Spritze gesetzt.
Meine Impfung ist nun 24 Stunden her und Nebenwirkungen habe ich keine. Selbst mein Oberarm schmerzt nicht und meine tägliche Joggingrunde über zehn Kilometer war heute morgen kein Problem. Bin ich also im Vorfeld der Panik erlegen und habe mich gegen eine Krankheit impfen lassen, die in den meisten Fällen milde verläuft? Nein, ich habe Verantwortung gegenüber meiner Familie. Fälle von infizierten und schwer behandelbaren Kleinkindern und Schwangeren, die zur Risikogruppe gehören, sollten jeden Familievater als potentiellen Virenüberträger neben der Diskussion um die Lobby-Arbeit der Pharma-Industrie sensibler für das Thema machen.

